Editorial
Rationale Diagnostik und Therapie unverzichtbar
![]() Prof. Dr. med. Erland Erdmann, Köln |
» Kardiovaskuläre Erkrankungen gehören zu den häufigsten in der gesamten Medizin. Mehr als die Hälfte aller Menschen versterben letztendlich an Herz- und Kreislaufversagen. Gelänge es uns, die Bevölkerung zu Nichtrauchern zu erziehen, würde das mittlere Lebensalter um zwei bis drei Jahre ansteigen. Wahrscheinlich würde sich die Lebenszeit auch deutlich verlängern, wenn alle Kranken rechtzeitig und konsequent diagnostiziert und korrekt behandelt würden. In diesem Sinne ist es natürlich wichtig, Leitlinien für die Diagnostik und Therapie auch der koronaren Herzerkrankung zu erstellen, bekannt zu machen und in die tägliche Praxis umzusetzen. Das Hausarzt Handbuch DMP KHK soll dazu beitragen.
Es gibt eine Vielzahl von Untersuchungen, vorwiegend in den Vereinigten Staaten von Amerika, die nachweisen, dass eine leitliniengestützte Therapie die Prognose selbst von ernsthaften Erkrankungen deutlich verbessert. Natürlich müssen sich Patienten ebenso an die Leitlinien halten wie die Ärzte.
DMPs zeigen, was vernünftig und notwendig ist
Möglicherweise gibt es in unserem Lande ja noch Herzkranke, die nicht wissen, dass ihr Risikoverhalten (Rauchen, Übergewicht, fettreiche Ernährung und mangelnde körperliche Betätigung) mit einer erhöhten Krankheitsrate und dann auch früherem Ableben korreliert. Selbst die beste medikamentöse Therapie kann die Folgen eines derartigen Risikoverhaltens nicht neutralisieren. Sie kann aber, wenn richtig durchgeführt, zur Linderung von Beschwerden, Reduktion der Myokardinfarkt- und Schlaganfallhäufigkeit und Vermeidung des frühen Herztodes beitragen. Die meisten von uns wissen das, halten sich aber leider nicht daran.
In diesem Sinne ist es lobenswert, dass man jetzt beginnt, Disease-Management-Programme (DMPs) strukturiert aufzulegen, die Arzt und Patient schwarz auf weiß zeigen, was vernünftig und notwendig ist. Ein Abweichen von diesen Behandlungsleitlinien sollte selten sein und müsste sehr gut begründet werden. Natürlich können solche Disease-Management-Programme dazu führen, dass Patienten mehr Medikamente einnehmen und auch ihr eigenes eventuelles Risikoverhalten einschränken müssen.
Eine niedrigere Herz-Kreislauf-Mortalität ist das Ziel
Jeder weiß eigentlich, dass man keine Medikamente oder Apparate benötigt, um eine erfolgreiche Prävention der koronaren Herzkrankheit durchzuführen. Gespräche, Hilfe bei Suchtverhalten, Rehabilitation und andere präventive Maßnahmen sind vernünftig und könnten preiswert und trotzdem erfolgreich sein sind es aber nicht, weil das Fleisch schwach ist. Solange wir dieses Problem nicht gelöst haben, müssen wir uns noch mit der Behandlung bereits Erkrankter begnügen. Aber auch das ist notwendig!
Es wäre großartig, wenn es der heutigen Medizin gelänge, nach erfolgreicher Bekämpfung der großen Seuchen, der deutlichen Reduktion der Säuglingssterblichkeit und der Infektionskrankheiten nun auch die Letalität kardiovaskulärer Erkrankungen zu reduzieren.
Das ist unser aller Ziel.«




